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Am vergangenen Sonntag blieb einem das Frühstücksbrötchen im Halse stecken, wenn man Radio hörte. Denn überraschend kündigte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) an, er sei enttäuscht von der deutschen Textilwirtschaft und wolle noch in diesem Jahr ein nationales Textilsiegel einführen, was ökologische und soziale “Mindeststandards” garantiere.

Oh je, habe ich gedacht. Noch ein Siegel? Wir haben ja erst ein paar Millionen.  Abgesprochen hat sich der Minister offenbar im Vorfeld mit niemanden. So mag man denken, es sei eine Luftnummer und werde sowieso wieder in der Schublade verschwinden. Und als nationales Zeichen sei es sowieso zu klein gedacht, um es ernst zu nehmen.

Da die Pläne bis dato aber nicht vom Tisch sind und ich schon hörte: “Es sei ja besser als nix”, seien ein paar Killer-Argumente zur Debatte hinzu gefügt.

1. Eine freiwillige Selbstverpflichtung der deutschen Industrie braucht niemand  (die Verbraucher nicht, nicht mal die Industrie). Wir brauchen ein gesetzlich geschütztes Siegel.

2. Ein runder Tisch zu  einem Textilsiegel – nur mit der deutschen Textilbranche – ist Unsinn. Wo sind die bisherigen Siegel (GOTS und Co.), wo ist Fairtrade, wo die Kampagne für saubere Kleidung, wo Greenpeace? Da braucht es schon ein paar mehr Akteure, Herr Minister.

3. Ein Minimum-Siegel mit Mini-Standards bringt keinen Fortschritt. Es braucht ein Kombi-Siegel (öko und sozial) auf hohem Schutzniveau. Basis könnte der Global Organic Textile Standard sein, der weiter entwickelt wird. Wie das aussehen kann, haben Lars und ich hier schon vorgestellt und mit der von uns sehr geschätzten Renate Künast ausführlich diskutiert.

In meiner Rolle als Greenpeace-Kampaignerin habe ich dem Minister bereits geschrieben und um ein Gespräch gebeten. Wer ihn selber erleben will und hören, was ihm exakt vorschwebt, kann am 6. Mai nach Berlin kommen und mit ihm, Tanja Gönner (GIZ) und Achim Lohrie (Tchibo) unter dem Titel: “Günstig erstanden – teuer erkauft” diskutieren. Ich bin da.

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Detox- Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Nein, das sind nicht meine Maße oben im Titel! Erinnert sich noch jemand, was REACH ist? Eher schwach, nicht wahr?

Katapultieren wir uns also ein paar Jahre zurück. Es war ein zäher Kampf, bis 2007 das neue EU-Chemikalienrecht REACH in Kraft trat, denn die Industrie stellte sich massiv quer. Aber irgendwann war es geschafft. Dank REACH werden nun 30.000 Stoffe systematisch unter die Lupe genommen, darunter viele, die in der Textilindustrie eingesetzt werden und die im Fokus der Greenpeace-Detox-Kampagne stehen.

Spulen wir jetzt wieder vor und sehen mal nach, wie weit wir gekommen sind. Unbestreitbar: REACH ist eine große Errungenschaft, aber es geht nur schleppend voran. Man mag denken, klar, das ist das Schicksal eines Mammutvorhabens, aber REACH hat einen glasklaren Fokus und das ist das Ersetzen von 1.500 “besonders besorgnis erregenden Stoffen” – sogenannten SVHC (Substances of very high concern”, die beispielweise krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend sind.

1500? Anfang 2014 sind ganze 150 Substanzen auf der Phase-out-Liste – magere zehn Prozent der schätzungsweise 1500 hoch problematischen Substanzen, die es auf dem europäischen Markt gibt.

2020 sollten es laut Greenpeace mindestens die Hälfte sein – also 750. Um das zu schaffen, müsste das Prinzip verändert werden. Statt mühsam Substanz für Substanz auf die Liste zu setzen, müssten es ganze Gruppen sein, also etwa die ganze Familie der besonders berüchtigten PFCs, die Greenpeace in Outdoorjacken und Badeanzügen nachgewiesen hat. Alle haben ähnliche Eigenschaften.

Aber selbst wenn die ECHA, die zuständige Behörde in Helsinki und die EU-Mitgliedsstaaten so richtig auf die Tube drücken, bleibt ein Pferdefuß.  Denn REACH gilt nicht für Importprodukte. Für die Textilindustrie ist es also möglich, dreckig in China zu produzieren und die Sachen dann in die EU zu importieren und zu verkaufen. Wer in Europa produziert, ist dagegen ans Chemikalienrecht gebunden. Eigentlich unfair. Und wenn die Produktionsländer wüssten, dass ihre Wirtschaft vom Markt abgeschnitten wäre – dann würden sie vermutlich schneller eine schärfere Chemikaliengesetzgebung erlassen – einfach, weil sie müssen.

Wie genau die Textilindustrie verfolgt, wer ihnen wo das Leben schwer macht, zeigte Anfang März das Beispiel Norwegen. Die norwegische Umweltbhörde hatte einen Bann für PRODUKTe vorgeschlagen, die PFOA enthalten, eine nachweislich giftige Substanz aus der Gruppe der PFC, mit der Kleidung wind- und wasserfest gemacht wird. Ab Juni dieses Jahres sollte er gelten. Nun gibt es auf Druck der Industrie eine Ausnahmegenehmigung bis Anfang 2018, für alles, was vor Juni diesen Jahres produziert wurde und wird. Nach Angaben der Industrie hätte es sonst 500 Millionen Kleidungsstücke gegeben, die unverkäuflich wären! Außerdem – so argumentierte die Industrie – ginge es doch pro Kleidungsstück nur um klitzekleine Mengen. Wer der Multiplikation mächtig ist, kann sich vorstellen, zu welch gigantischen Einsatzmengen sich auch wenige ppm pro Jacke, Hose&Co. aufsummieren. Die Branche war übrigens lange vorgewarnt worden, dass ein Verzicht auf PFOA nötig sein würde. PFOA gehört wie alle anderen PFC von REACH gebannt – ohne Schlupflöcher.

REACH birgt übrigens eine wunderbare Gelegenheit für Konsumenten, von Händlern und Herstellern Auskunft zu verlangen, welche Gifte in ihren Alltagsprodukten stecken. Innerhalb von 45 Tagen muss geantwortet werden. Der BUND und das Umweltbundesamt haben auf ihren Webseiten ein Online-Formular veröffentlicht, mit dem das einfach machbar ist.

 

 

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Detox- Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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26 Mrz, 2014

Wohlfühlmodereport

Die Besten

Es gibt keine endgültige Nachhaltigkeit, wenn man diesen Begriff ernst nehmen will. Und auch absolute Fairnis existiert allenfalls als Ideal und wird subjektiv sehr unterschiedlich verstanden werden. Aber es gibt eine Annäherungen an beide Zustände und um solche Annäherungen geht es letztlich auch, wenn wir über grüne, faire oder ethische Mode sprechen.

Welche Marken auf dem Weg zu diesen Zielen bisher wie weit gekommen sind, untersucht unter anderem die Rating-Plattform Rank-a-Brand. Rank-a-Brand will Verbrauchern helfen, gezielt engagierte Marken und Unternehmen zu bevorzugen. Betrachtet wird die Unternehmenskommunikation und die (berichtete) Performance in den Bereichen Klimaschutz, Ökologie und Arbeitsbedingungen.

Für den gerade erschienenden FeelgoodFashion-Report wurden 384 Modemarken untersucht, darunter viele große Mainstreambrands, aber auch kleine(re) grüne. In der Königsklasse (A-Label) treffen wir somit auf viele gute Bekannte: Armedangels, bleed, Freitag, Greenality, hessnatur, MudJeans, Nudie Jeans,  Pants to Poverty, recolution, Saint Basics. Die Auszeichnung ist zweifellos verdient!

In der auch aus Sicht von Rank-a-Brank ebenfalls noch deutlich engagierten Kategorie B ergibt sich ein merkwürdig gemischtes Bild. Zum einen finden sich hier weitere grüne Brands wie KnowledgeCotton, Kuyichi, Veja oder PeopleTree. Hinzu kommen in Sachen Arbeitsbedingungen und Produktökologie führende Outdoor-Hersteller wie Patagonia, Vaude und Jack Wolfskin. Zugleich werden jedoch auch Puma, h&m (nebst Töchtern COS und Weekday), Nike und Timberland in diese Kategorie eingeordnet.

Letztere mit KnowledgeCotton oder PeopleTree auf eine Stufe zu stellen, erscheint mir dann doch sehr gewagt und ist wohl der Erhebungsmethode und den Kriterien geschuldet. Hier wiederholt sich ein Problem, dass uns vor einigen Jahren schon bei einer Studie der CIR zu grüner Mode begegnet ist. Multinationale Konzerne sind eben völlig anders organisiert als kleine Mittelständler. Ein grünes Unternehmen mit 1 bis 5 Mitarbeiter_innen schreibt in der Regel keinen Nachhaltigkeitsbericht, hat keine Nachhaltigkeitsabteilung und auch keine ausgearbeitete Klimaschutz oder Anti-PVC-Strategie. Statt dessen wird im besten Falle bei wirklich jeder Unternehmensentscheidung stets die umweltfreundlichste und fairste Lösung gesucht.

Die Arbeit von ethischen Verbraucherinitiativen wie Rank-a-Brand ist wichtig und die Feelgoodfashion-Studie unbedingt lesenswert. Ich möchte hier auch nicht h&m, Nike oder Puma anklagen. Diese 3 sind tatsächlich deutlich engangierter bei vielen grünen und ethischen Themen als viele andere Textilriesen – wenn auch dennoch weit entfernt von den Leistungen der grünen Vorreiter. Vielmehr möchte ich zu einem kritschen Blick auf Rankings im Allgemeinen aufrufen. Nur schnell das Ergebnis checken führt oft zu einem verzerrten Bild. Es sollte immer auch die Methodik betrachtet werden. Für kommende Rankings würde ich mir einen (noch) offensiveren Umgang der jeweiligen Herausgeber mit dieser Problematik wünschen und vielleicht eine noch differenziertere Einteilung.

Aber auch einige grüne Brands können sicher aus so einem Ranking lernen. Transparenz gehört zur Nachhaltigkeit und auch wer gute Taten und Konzepte vorzuweisen hat, sollte nicht versäumen diese auch zu kommunizieren, genauso wie  die Bereiche, in denen es noch nicht so optimal läuft. So verstandene Vollständigkeit ist ein wesentlicher Grundsatz guter Nachhaltigkeitsberichterstattung und lässt sich mit deutlich weniger Aufwand als in einem großen Bericht auch auf der eigenen Website umsetzen. So haben es auch die Mehrheit der mit A-Label ausgezeichneten Marken ohne einen richtigen Nachhaltigkeitsbericht in die Klasse der besten geschafft.

Der FeelgoodFashion-Report hat übrigens noch eine sehr spannende Kategorie. Sie heißt “Greenwash-Alert”. In diese Kategorie fallen all jene Marken, die zwar in irgendeiner Weise über Nachhaltigkeit kommunizieren, jedoch dabei keine relevanten Informationen über ihr eigenes Handeln liefern und auch sonst miserabel abschneiden. Von den untersuchten 384 Marken besteht bei einem Drittel Greenwashing-Gefahr. Besonders hoch war der Anteil potentieller Grünwäscher übrigens in den Segmenten Schuhe, Unterwäsche, Kinderkleidung und Luxus-Mode. Ein weiterer Beleg, dass sich Unternehmensethik keinesfalls an der Preisklasse festmachen lässt.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die "gruene wiese" in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Als ich mein erstes Aluc-Damenhemd im Upcycling-Store in Berlin gekauft habe, war die Kragen-Kiste leider leer. Nun ist der rot-gestreifte Austauschkragen für meine blaue Bluse endlich angekommen. Der abknöpfbare Kragen an den Hemden und Blusen ist DAS besondere Extra dieser Kleidungsstücke, um gelegentlich mal ein bisschen anders auszusehen. Nur Ameisen sehen immer gleich aus!  Es geht aber nicht nur um Design, sondern auch um Langlebigkeit, denn der Kragen ist normalerweise das erste Teil, das am Hemd verschleißt. Bei den Aluc-Hemden kann man ihn deshalb austauschen (siehe oben).

Außerdem spart das 2in1-Prinzip Platz im Kleiderschrank. Momentan lese ich gerade den britischen Report “Valuing our clothes – the evidence base” und habe gelernt, dass jeder Brite im Schnitt rund 115 Kleidungsstücke im Schrank hat – was mir wenig vorkommt. In der Rechnung sind beispielsweise nur vier Jeans und 12 T-Shirts enthalten (und sieben Schlipse….). Natürlich sagt die pure Zahl nicht viel darüber aus, wie lange die Sachen getragen werden, sondern ist nur ein Indiz.

Fasziniert bin ich ohnehin eher von der Zahl der Schrankhüter. Zwischen 30 und 40 Prozent dessen, was im Schrank hängt, tragen wir nicht regelmäßig. Erstaunlicherweise lässt sich diese Quote durch einen einfachen Trick deutlich erhöhen, wie eine dänische Studie herausgefunden hat, die ihren Probandinnen einen monatlichen “Shuffle Day” verordnete. An diesem simplen “Mischmasch-Tag” wird alles nach vorne geräumt, was im Schrank nach hinten gewandert und so aus dem Blick geraten ist. Offenbar neigen wir trotz Auswahl dazu, immer wieder nach dem selben Outfit zu greifen. Ob ich wohl demnächst dran denken werde, den Kragen auch wirklich auszutauschen oder wird einer der Kragen zum Lieblingskragen und der andere doch eingemottet?

Einen Teil meiner einfarbigen T-Shirts werde ich dieses Wochenende aufpimpen und bedrucken. Das Hamburger “Stoffdeck” bietet neben Näh- und Upcycling-Kursen (Rucksäcke aus alten Jeans, Kindermützen aus alten Pullovern) auch einen Einsteigerkurs Siebdruck an. Da ich definitiv zwei linke Hände habe, gilt die Devise:

Ich muss einfach nur die Nerven behalten, wenn ich vor den Sieben stehe!

 

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Detox- Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Am 24.4. ist der Jahrestag des Fabrikeinsturzes am Rana Plaza (Bangladesh), bei dem 1127 Menschen getötet und 2438 schwer verletzt wurden. Es ist der wohl schwerste Fabrikunfall in der Geschichte der Textilindustrie.

Anlässlich dieser Katastrophe hat FairTrade-Fashion-Pionierin Carry Sommers den Fashion Revolution Day ins Leben gerufen. Auf der ganzen Welt soll an diesem Tag für faire Arbeitsbedingungen demonstriert werden, in Gendenken an die Opfer dieser und unzähliger anderer Katastrophen in der Textilindustrie. Fashion Brands, Händler_innen, Designer, Aktivisiten, Bildungszentren und Privatpersonen sind aufgerufen, an diesem Tag ihre Unterstützung für einen globalen Wandel zu zeigen. Inzwischen sind bereits Aktionen in mehr als 40 Ländern geplant.

Der Fashion Revolution Day wurde von einer internationalen Gruppe bestehend aus UnternehmerInnen, AktivistInnen, PressevertreterInnen und AkademikerInnen sowohl aus dem Modebusiness als auch darüber hinaus initiiert, welche die Tragödie des Rana Plaza in Bangladesch als Anstoß verstehen, endlich etwas zu unternehmen. Er soll ein jährliches Ereignis werden, das Mode als positiven Einfluß auf unsere Gesellschaft und jene, die das möglich machen, feiert.

Das Thema für den ersten Fashion Revolution Day lautet, “Wer stellt deine Kleidung her?”  Mit einer simplen Geste, das Kleidungsstück mit der Innenseite nach aussen zu tragen (Hashtag #insideout), sollen die Menschen dazu angeregt werden, sich die Frage zu stellen, wer ihre Kleidung herstellt.
Jede(r) kann mitmachen und je mehr Menschen an diesem Tag InsideOut tragen, je stärker wird die Wahrnehmen sein. Auf Instgramm, Facebook und Twitter werden an diesem Tag Selfies mit dem Hashtag #insideout gesammelt, sodass die Aktion auch in den sozialen Netzwerken präsent sein wird.

Die internationalen Organisatoren hoffen, dass diese Initiative helfen wird, die öffentliche Aufmerksamkeit ein Jahr nach dem Fabrikeinsturz erneut auf die textilen Arbeitsbediungen zu lenken.

HändlerInnen, Brands und DesignerInnen weltweit werden Aktionen organisieren, indem sie ihre Ladenflächen, Schaufenster und Ausstellungsräume nutzen, um mit ihrer Kundschaft in Austausch zu treten. Mögliche Ideen sind:

• Schaufenster mit dem Thema “Triff die MacherInnen” dekorieren. Das können Bilder sein, oder tatsächlich Menschen, die etwas ‘live’ produzieren. Oder alle Kleidungsstücke könnten mit der Innenseite nach aussen ausgestellt sein. Online könnte es auch ein spezielles PopUp #insideout für den Fashion Revolution Day geben.

• Alle MitarbeiterInnen tragen ihre Kleidung an diesem Tag verkehrt herum und verbreiten Fotos davon über soziale Netzwerke.

Für Deutschland hat Magdalena Schaffrin (Green Showroom, Ethical Fashion Show) die Koordination der Aktionen übernommen und bittet alle, die etwas machen wollen, sie per Mail darüber zu informieren, damit sie die Aktionen auch auf der Kampagnen-Website eintragen kann. Ihr erreicht Magdalena unter fashionrevolution@magdalenaschaffrin.com
Zudem gibt es bereits eine Facebook-Gruppe für den gegenseitigen Austausch.

Neben Magdalena Schaffrin gehören Jonathan, Luise, Arianna und Carina vom Upcycling Fashion Store Berlin, Kirsten Brodde (Greenpeace Detox, Inhaberin dieses Blogs), Marina Chahboune (hess natur, Autorin dieses Blogs), Max Gilgenmann (Messe Frankfurt/Ethical Fashion Show, FairTrade-Entrepreneur) und Lars Wittenbrink (gruene wiese Store, Chefredakteur dieses Blogs) zum deutschen Fasshion-Revolution-Commitee.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die "gruene wiese" in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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17 Feb, 2014

Tierethik in der Mode

Achtung! Das folgende Video enthält sehr verstörende Bilder!

Während Veganer_innen meist jegliche Nutzung von Materialien tierischen Ursprungs ablehnen, spielen tierische Fasern in den Winterkollektionen vieler grüner Modelabels eine wichtige Rolle. Welche schwerwiegenden ethischen Fragen hinter der Nutzung dieser Fasern stehen, ist über die vegane Community hinaus meist nur Wenigen bekannt.

Sehr erfolg- und auch folgenreich änderte dies vor einigen Wochen eine PeTA-Kampagne zu Angora-Wolle, gesponnen aus den Haaren des Angora-Kaninchens. Mit verstörenden Fotos und einem über das Netz weit verbreiteten Youtube-Clip (siehe oben) zeigte PeTA, dass die Kaninchen ihre Haare alles andere als freiwillig hergeben. Weil das auch schon nicht tierfreundliche Auskämmen sehr zeitaufwändig und damit für die industrielle Massenverarbeitung zu teuer ist, werden den Kaninchen die Haare bei lebendigem Leibe und unter gequälten Schreien ausgerissen. Ein paar Mal wächst das Fell nach. Dann werden die Kaninchen getötet. Auch sonst sind die Haltungsbedingungen alles andere als idyllisch und erinnern stark an die Käfighaltung in den Legebatterien der Hühnerzucht.

Die heftige Reaktion der Öffentlichkeit führte in ungewohnter Geschwindigkeit auch zu einer heftigen Reaktion einiger Moderiesen. H&M, ESPRIT, C&A, Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf, Peek & Cloppenburg KG Hamburg, Calvin Klein, Gerry Weber, Tom Tailor, Marc O´Polo, GAP, Tommy Hilfiger u.a. stellten die Produktion mit Angora vorerst komplett ein. Natürlich spielt die Edelwolle für viele dieser Konzerne nur eine untergeordnete Rolle und so bleiben die Regale in den Filialen auch trotzdem weiter gut gefüllt.
Mehr als einmal erwischte ich mich bei dem hämischen Gedanken, wie es wohl aussehen würde, wenn auch alle Produkte mit starkem Verdacht auf menschliche Ausbeutung (Nähfabriken) oder Vergiftung (Baumwollfelder) aus den Regalen genommen würden. Inwieweit der Kampagnenerfolg der Tierrechtler auf andere ethische Modefragen übertragbar sei, diskutierte auch der britische Guadian.

Kurz überkam mich auch ein ungutes Gefühl, weil wir im von mir mitbetriebenen Laden auch selbst Angora im Verkauf hatten. Aber schnelle Entwarnung: Das vom großartigen französischen Ethical Fashion Brand L’Herbe Rouge verwendete Angora stammt natürlich nicht von gequälten Kaninchen, sondern von Angora-Ziegen. Und diesen Ziegen geht es gut. Sie werden im Freien in kleinen Gruppen gehalten und geschoren, nicht gerupft.

Doch Angora-Kaninchen sind bei Weitem nicht die einzigen Tiere, die für die Modeindustrie ausgebeutet oder auch getötet werden. Auch die sehr verbreitete Schafswolle wird überwiegend unter Bedingungen gewonnen, die unvereinbar sind mit der Idee einer ethischeren Mode. So ist das sogenannte Mulesing gerade im Hauptwollproduktionsland Australien sehr verbreitet. Von einer Schafsherde, wie sie sich wohl die meisten Konsument_innen vorstellen, kann angesichts der Größe der Gruppen und der engen Umzäunung auch nicht mehr die Rede sein. Regelmäßig werden viele Schafe zudem durch Pestizidbäder getrieben. Die nach dem Scheren erfolgende Chlorausrüstung bei konventioneller Wolle belastet zwar nicht mehr die Schafe, jedoch dafür die beteiligten Arbeiter und die Umwelt um so mehr.

Auch zu diesen Praktiken hat PeTA bereits eine Kampagne laufen. Vergleichbare Reaktionen der Moderiesen blieben jedoch bisher aus. Ein Boykott von Schafswolle aus solcher Herkunft dürfte wegen der weitaus größeren Verbreitung Konzernen wie Konsumenten deutlich schwerer fallen. Die meisten grünen Modellabels und Conceptstores sind mit gutem Beispiel vorrangegangen und bieten nur Schafswolle mit mulesingfreiem Herkunftsnachweis oder gleich aus Zque-zertifizierter oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) an.

Zu Cashmere und Alpaca finden sich bei PeTA ebenfalls Bilder und Informationen, die einen an der allgemeinen “Unschuldsvermutung” bei diesen Tierfasern zweifeln lassen. Bisher sind diese allerdings nicht kbT oder GOTS zertifizierbar, sodass hier ein Nachweis vertretbarer Scherpraxis bisher nur über die Transparenz der Herkunft erfolgen kann.

Während ich schon glaubte das Tragen von Pelzen sei bis auf einige wenige Hartgesottene inzwischen auch im Mainstream ein „No-Go“, kommt es gerade sichtbar zurück. Und zwar sowohl in Form kompletter Pelzjacken, als auch in Form von Pelzbesatz an Kapuzen und Jackenkrägen. Wurde für letzteres lange Zeit zumindest im gemäßigten Preissegment fast ausschließlich Kunstpelz eingesetzt, hat sich der Pelzpreis offensichtlich so weit gesenkt, dass nun auch bei günstigen Jacken und Mützen Echtpelz zum Einsatz kommt. Vielen Käufern ist das sicher nicht bewusst, einigen allerdings wohl auch egal, wie Vier Pfoten in einer Straßenbefragung in Erfahrung brachte. Mit einer App helfen sie nun Konsument_innen zu erkennen, ob und wenn ja was für ein echter Pelz (Katze?) die unterschiedlichen Marken bei ihren Jacken einsetzen.

So sehr ich die Arbeit in Fragen der Tierethik von PeTA und Vier Pfoten schätze, so sehr bin ich auch irritiert von der Eindimensionalität in Sachen Ethik, wenn ich mir die angepriesenen Einkaufsalternativen angucke. Da werden z.b. bei PeTA schlicht die bekanntesten konventionellen Modehäuser und Versandhändler aufgezählt, mit dem Hinweis, dass es dort auch “eine Reihe an leder-, pelz und wollefreien Produkten” gibt. Na wunderbar. Dass für diese Produkte dann in vielen Fällen Menschen ausgebeutet wurden und die Lebensgrundlage von Menschen und Tieren vergiftet wurde, stört also nicht?
Und dann noch Anbieter von häufig weichmacherreichem Kunstleder? Weichmacher wirken oft hormonell. Ein Mensch sollte eben auch nicht weniger Wert sein als andere Lebewesen. Und auch vegane Alternativen sollten frei von Toxinen und hormonartigen Stoffen sein, die statt dem Individuum gleich ganze Ökosysteme gefährden.

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von veganen Modeläden und Onlineshops, die sich sehr bemühen Mensch-, Tier- und Umweltfreundlichkeit zu vereinen. Und auch in den nicht-veganen grünen Conceptstores erfüllen die tierfreien Produkte gleich alle 3 Kriterien. Arbeiten wir also gemeinsam daran, dass dieser 3-Klang die Regel wird.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die "gruene wiese" in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Elegant führt der Strom sein tiefes, nachtblaues Wasser durch die pulsierende Metropole. Die Luft ist kühl, blaugrauer Nebel steigt auf und mischt sich mit dem blassen Schein der aufgehenden Sonne. “Themse” ist inspiriert durch die kühle Farb-Ästhetik eines winterlichen Morgens am Fluss.

Luxaa | Themse | AW 14/15 | Foto:  Sebastian DonathLuxaa | Themse | AW14/15 Kollektion | Foto: Sebastian Donath

Wir haben in den zurückliegenden Wochen ja schon geschwärmt, Kirsten und ich. Von wem? Klar, Luxaa aus Halle an der Saale. Warum? Weil Anne Trautwein und ihr Team ihre Kunstfaser Tyvek eloquent verteidigen. Und weil die Frühjahr/Sommer 2014 Kollektion bereits sensationell war. Was dürfen wir da noch erwarten? Einiges.

Vorab einige Details: Tyvek, eine geotextile Membran, ähnelt nach der Weiterverarbeitung Strick – in der Beschaffenheit, dem Tragekomfort und der Optik. In den 1960er Jahren eher zufällig entwickelt, wird Tyvek vorrangig in der Architektur eingesetzt. Wegen seiner weichen und glatten Haptik nennt man es auch ‚technisches Papier‘, wie Anne Trautwein und ihre Partnerin Anja Schneemann im Interview mit TM Digital erklären. Die Struktur von Tyvek ist glatt, weich und angenehm auf der Haut zu tragen. Daneben ist das Material atmungsaktiv und anti-allergen. Das entwickelte Garn ist, wenn überhaupt notwendig, bis zu 90 Grad waschbar ist, fusselt oder verfilzt nicht und ist zu 100 Prozent recyclebar. Seit der Gründung von Luxaa 2012 haben Anne Trautwein und ihr Team sechs Kollektionen entworfen. Alle einzelnen Kreationen werden in deutschen Traditions­unternehmen unter sozialen Arbeitsbedingun­gen hergestellt und erfüllen den Standard von Nachhaltigkeit und Recycelbarkeit.

Luxaa | Themse | AW 14/15 | Foto:  Sebastian DonathLuxaa | Themse | AW 14/15 | Foto:  Sebastian Donath

In “Themse”, der Herbst/Winter 2014/2015 Kollektion, gibt es neben Tyvek auch Bio-Seide, Bio-Baumwolle und Bio-Flanell (alle zertifiziert), für die etwas kälteren Tage, die wir ja gerade wieder einmal durchleben. Im Gegensatz zu manchem Messebesucher im Greenshowroom ist die Kollektion aus meiner Sicht durch die Materialzusammensetzung sowohl Winter- als auch Herbst-tauglich. Feiner Strick durch und durch, oder in Kombination mit Flanell bei den Kleidern. Klassische Schnitte, eingetaucht in Crème, Dunkelblau als Kontrast zu den leichten Tönen. Alles gut abgestimmt mit den entworfenen Accessoires, die die einzelnen Looks optimal abrunden.

Luxaa | Themse | AW 14/15 | Foto:  Sebastian DonathLuxaa | Themse | AW 14/15 | Foto:  Sebastian Donath

Überraschenderweise sind die ersten Kollektionsteile bereits ab 79 Euro zu erstehen, die Accessoires fangen bei 39 Euro an, die unter anderem im Label eigenen Online Shop zu finden sind. Ich würde nicht allzu lange damit warten, diesem einen Besuch abzustatten.

Fotos: Sebastian Donath

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

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Foto: INNATEX / Peter Porst www.peterporst.com

Auf keiner anderen Messe sind so viele moderne erwachsene grüne Marken jenseits des Luxussegments versammelt, wie auf der Innatex.

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Weiterhin in der Haupthalle vertreten waren Alma&Lovis. Für mich derzeit einer der stärksten Newcomer im Bereich moderner Damenmode. Für den Winter 2014 gibt es wieder großartigen Alpaca-Strick. Ein besonderer Hingucker ist ein mehrfarbiger Alpaca-Pullover, der gewendet werden kann und auf beiden Seiten unterschiedliche Strickmuster zeigt. Bei einigen Strick-Teilen wurden dezente Panele mit Lurex-Glitzergarn eingesetzt. Sehr schön auch ein Woll-Blazer mit elastischen Einsetzen unter den Ärmeln und passendem Rock (siehe Foto). Frauen, die zeitgemäße bürotaugliche Mode suchen, werden bei Alma&Lovis garantiert fündig und auch für die Abendgarderobe ist einiges dabei!

 

Endlich mal genauer angeschaut habe ich mir auch Anukoo aus Österreich. Deren Kollektion besticht ebenfalls vor allem durch jede Menge edlen Alpaca-Strick. Besonders angetan hat es mir ein oversiziger Stricksweater. Und offensichtlich nicht nur mir, denn gleich 2 Frauen auf dem Stand tragen ihn auch selbst. Die Alpaca-Kollektion wird in Bolivien und Peru in kleinen Werkstätten produziert. Die beteiligten Stricker_innen erhalten Fortbildungsangebote und können sich auch an der Entstehung neuer Designs beteiligen. Hinter Anukoo steht die EZA Fairer Handel und das ist sicher auch ein Grund, warum Anukoo im sozialen Bereich wirklich vorbildlich agiert. Selbstverständlich sind somit auch die Baumwoll-Styles nicht nur GOTS-zertifiziert, sondern aus Fairtrade-Bio-Baumwolle, bisher noch immer einer Seltenheit. Umso großartiger, dass Anukoo auch designmäßig absolut überzeugt.

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Foto: Anukoo

Gleich 5 Labels präsentierte Linda Mohrmann. The Baand aus Kopenhagen hat ein neues Woll-Jersey im Einsatz. Die neuen wunderbaren Basics ergänzen die Linie aus superweicher Bio-Pima-Baumwolle um eine wärmere und ebenso anschmiegsame Option. Neben Jersey und Seide (letztere leider noch nicht bio) finden im Strickbereich auch Alpaca und Cashmere Verwendung. Mir gefiel besonders ein Alpaca-Pullover mit 12 % Lurex-Garn, zu haben in hellgrau und dunkelgrau, jeweils mit dezentem, edlem Glitzereffekt.

High-Fashion in herausragenden Qualitäten bietet das Berliner Label Ansoho. Die Winterkollektion zeigt Pullover, Cardigans, Röcke, Hosen und Kleider aus feinem Merinostrick, wahlweise in CAPE Exp Wolle von Schoeller mit bluesign-zertifizierter, chlorfreier Anti-Pillingausrüstung oder in kbT-Qualität. Deutlich sporticher die Kollektion von Mandala. Neu ist die Sportkollektion aus atmungsaktivem recyceltem Polyester. Im Yoga- und Wellbeing-orientierten Sortiment werden auch ein Tencel-Bio-Baumwoll-Mix, Merino-Wolle, Bio-Baumwoll-Jersey sowie Seide eingesetzt.

Innovative und hochwertige Stoffe sind das Markenzeichen von Alchemist. Ausser einem Leinenjersey und einem Bio-Baumwoll-Jersey wird die Kollektion des Fair Wear Foundation Mitglieds jedoch bisher überwiegen aus nicht-nachhaltigen Materialien angefertigt.

Moderne Jacken waren lange Zeit Absolute Mangelware im grünen Modesegment. Das Label LangerChen von Philipp Langer und Miranda Chen versucht das zu ändern. Dabei verbinden sie natürliche Materialien mit technischen Komponenten. Im Winter trifft kbT-zertifizierte Wolle auf eine PFC-freie Membran und eine abschließende Schicht aus Bio-Baumwoll-Jersey. Dieses Tecnowalk getaufte Material hat LangerChen im eigenen mittelständischen Produktionsbetrieb in Shanghai selbst entwickelt. Es ist wasserabweisend, warm und dabei wunderbar leicht. Zum Einsatz kommt es für eine tolle Auswahl langer und kurzer Jacken von sportlich und urban, bis klassisch und businesstauglich. In der zweiten Winterkollektion ist erstmals auch ein Parka mit ausknöpfbarer Innenjacke/Weste dabei (siehe Foto links), die solo getragen werden kann und ebenfalls winddicht und wasserabweisen ist.
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Fotos: LangerChen
     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die "gruene wiese" in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Foto: INNATEX / Peter Porst www.peterporst.com

 

Schon beim Reinkommen war ich begeistert. Und zwar vom neu gestalteten Eingangsbereich (siehe Foto oben). Wie immer werden hier Outfits verschiedener Aussteller ausgestellt, diesmal mit dem Schwerpunkt Jeans. Während die Besucher früher durch einen Gang aus Figuren geführt wurden, ist nun alles viel offener, heller und moderner und die Designs kommen viel besser zur Geltung.

Und es war gut was los. 8 Prozent mehr Besucher als bei der bisherigen Rekordmesse in 2009 sagt der Veranstalter. 15 Prozent der Besucher kamen aus dem Ausland zur Innatex. Rekord auch bei der Zahl der Aussteller, die insgesamt 280 Labels präsentierten, 30 davon zum ersten Mal auf der Innatex. Tolle Entwicklung!

Zur stetigen Verjüngung der Messe tragen wie immer die DesignDiscoveries bei. Unter diesem Namen werden junge Designer präsentiert, die erstmals bei der Innatex dabei sind. Gemeinsam mit Pressebetreuerin Sabine Lydia Müller startete ich bei EKO. Der Name steht für Earth Kind Originals. Die supersympatischen Britinen aus einem kleinen Ort in Cornwall haben tolle Jersey-Kleider mit klaren und dennoch raffinierten Schnitten im Angebot. Erstmals setzen sie im Sommer 2014 auch Tencel-Jerseys ein. Neben den Kleidern gibt es Kurz- und Langarmshirts sowie eine kleine Yoga-Kollektion. Gründerin Helen ist zudem begeisterte Surferin und lud Sabine und mich gleich mal ein an ihrer Küste das Wellenreiten zu lernen. Durchaus verlockend, zumal die Gegend ein kleines Öko-Paradies zu sein scheint, wie auch ein Blick auf die Liste befreundeter Unternehmen von EKO zeigt.

Nächstes DesignDiscovery auf meinem Rundgang ist NIX aus Berlin. Die teilweise asymetrischen Schnitte der Oberteile und der für einige Modelle eingesetzte Niki-Stoff rufen bei mir eine leichte Goa-Festival-Assoziation hervor. Nur eben deutlich moderner und klarer und natürlich ohne Zipfelmütze. Neben dieser sportlicheren Richtung gehören aber auch durchaus bürotaugliche Cardigans, Kleider und Röcke zur Kollektion. Ein sehr eigenständiges Design, dass sich Interessierte auch in einem eigenen Shop und Showroom in Berlin Mitte mal anschauen können. Bisher ist nur ein Teil der Stoffe grün (Bio-Baumwolle und GOTS-zertifiziert), es werden aber stetig mehr.

Grellbunt zwischen eher traditionelleren Ausstellern fiel mir der Stand von Gary Mash ins Auge. Das junge Label aus Österreich druckt grafische Motive auf Bio-Fair-Trade-T-Shirts, -Tops und -Schals, gerne in starken Farben. Mich hat jedoch besonders ein Display mit jeder Menge Portemonnaeis und Handy-Hüllen interessiert (siehe Foto im Hintergrund). Diese Accessoires sind allesamt aus bunt bedrucktem Tyvek hergestellt, jedoch in einer etwas festeren Qualität als Luxaa (siehe Kirstens Bericht vom Green Showroom) es für Mode nutzt. Eine der beiden jungen Frauen am Stand zeigte mir ihre eigene, “eingetragene” Geldbörse. Nach einem guten Jahr wirkte der Druck fast wie neu. Das Material ist etwas weicher geworden und zeigt ansonsten bisher keinerlei Abnutzungserscheinungen. Dazu sind die Geldbörsen superleicht, wasserfest und wie die gesamte Kollektion vegan.

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Foto: Gary Mash

Erstmals auf der Innatex vertreten war auch goodsociety aus Hamburg. Die Jeansspezialisten haben in wenigen Jahren ein beeindruckendes Programm an Formen und Waschungen aufgebaut. Durch ein minimalistisches Taschendesign und kleinere Taschenformen entsteht ein erwachsener moderner Look, der bürotauglich ist, ohne bieder zu wirken. Ökologisch ist bei goodsociety nicht nur das Hauptmaterial. Die Bio-Denims werden auch so umweltschonen wie möglich gewaschen. Durch innovative Laser-Waschungen sind zudem ganz neue Jeansoptiken möglich mit feinen Mustern über den gesamten Stoff. Auch die Zutaten von Knöpfen bis Schildern sind nachhaltig gewählt, durchweg vegan und wo immer möglich aus recyceltem Material.

Die Möglichkeiten und Grenzen nachhaltigerer Jeansproduktion waren auch das Thema einer Panel-Diksussion. Auf dem Podium diskutierten (von links) Claudia Kersten (GOTS), Marina Chahboune (Hess Natur, BeyondFashion, Grüne Mode Autorin), Heiko Wunder (Wunderwerk), Selma Yasdut (SEY Jeans) und Bernd Hausmann (Glore), moderiert von Rainer Schlatmann (TM, J’n'C). Einig waren sich alle, dass die Möglichkeiten zur einer saubereren Jeansproduktion sich in den letzten Jahren insbesondere auch durch Ozon- und Laser-Waschungen erheblich verbessert haben und dass es inzwischen auch ein sehr starkes Angebot an zumindest hinsichtlich der Faser und der fairen Herstellung korrekten Jeans gibt. Beim Verbraucher seien die besonderen Problematiken der Jeanswaschungen jedoch noch eher wenig präsent und weitere Aufklärung auch bei Einzelhändlern notwenig.

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Foto: INNATEX / Peter Porst www.peterporst.com

In Halle 2 waren diesmal die jungen Labels versammelt, von denen viele auch eine enge freundschaftliche Beziehung untereinander pflegen. Entsprechend familiär war die Stimmung. Bei Recolution gab es sogar Glühwein. Ein Grund mehr auch für viele andere Aussteller dort mal auf einen Schnack vorbeizuschauen.

Da ich die meisten Labels aus Halle 2 schon in Berlin gesehen habe, habe ich mir auf der Innatex nur KnowMe genauer angeschaut. Wie immer war Designerin Noomi Lösing selbst am Stand und führte auch gerne selber ihre Lieblingsstyles vor. Mir gefielen besonders ein Parka mit übergeschlagener Front (siehe unten links) sowie ein Kleid und ein passender Sweater mit französischen Abnähern. Alle 3 Teile sind in verschiedenen Stoffqualitäten erhältlich. Neben dem Einsatz von GOTS-zertifizierten Baumwollstoffen und Wollstoffen arbeitet Noomi auch nach dem Minimal-Waste-Prinzip und schafft aus Verschnitt neue Kreationen. Darunter ein aufwänder Rock, der in der Front aus 7 verschiedenen Teilen zusammengesetzt ist. Ein echter Hingucker ist zudem ein neuer Upcycling-Teppich aus Reststücken von Polstermöbelstoffen (siehe unten rechts). Der Teppich kann in Wunschgröße und -Farbrichtung bestellt werden.

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Weiterhin in der Haupthalle und mit dem insgesamt wohl größten Stand war die Trade Agency von Alexandraund Sascha Schröder vertreten. Insgesamt 8 Labels präsentierten sie auf der Innatex: Komodo, Studio JUX, Ramblersway, MudJeans, MYOMY, Asquith London, Choclo Project und L’herbe Rouge. Sehr engagiert unterstützen die beiden ihre Labels auch in Fragen der Kollektionsentwicklung und ökologischer Kriterien. So ist Choclo Project nicht zuletzt dank Alexandra und Sascha nun komplett bio-zertifiziert. Von L’herbe Rouge gab es leider erst wenige Teile der neuen Kollektion zu sehen, aber die gefielen mir mal wieder sehr sehr gut. Über einige der anderen Labels habe ich bereits von der Ethical Fashion Show berichtet.

Im Messerbericht Teil 2 folgen Alma&Lovis, Alchemist, Anukoo, Ansoho, LangerChen und The Baand

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die "gruene wiese" in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Quelle: http://www.made-by.org/benchmarks/environmental

Schon mehrfach haben wir uns auf diesem Blog mit Ökobilanz-Vergleichen verschiedener Fasern auseinandergesetzt. Nach wie vor würden wir uns mehr soche Studien wünschen, zumal es für viele Fasern bisher überhaupt noch keine vergleichenden Untersuchungen gibt. Weiter lesen »

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die "gruene wiese" in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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